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rosarot und himmelblau

– heile, heile Kinderwelt ...

In Deutschland und westlichen Industrienationen steigt die Zahl der chronisch erkrankten Kinder dauerhaft. Zugleich sind bis zu 1,5 Millionen Deutsche von Infertilität betroffen. In einer Gesellschaft, in der es nicht mehr normal ist, auf „normalem“ Wege Kinder zu bekommen, und in der die Geburtenrate abnimmt, werden Kinder zu einem ganz besonderen Spiegel für Eltern und Gesellschaft. Pränatale Diagnostik ist nur ein Ausdruck des drängenden Wunsches nach „heilen“ Babys. Auf der Kinderwelt lastet ein enormer Erfüllungsdruck.

Dem Wunsch nach einer heilen Kinderwelt widerspricht das Bild von Kindern, denen mehr oder weniger offensichtlich schwere oder chronische Krankheiten anzusehen sind. Eltern solcher Kinder sind oft hilflos und enttäuscht, dass auf die ersehnte rosarote Kinderwelt so früh schon Schatten fallen. Oder dass ihr eigenes Glück den oft aufdringlichen Blicken und unsensiblen Fragen der Öffentlichkeit ausgesetzt ist. „Was guckst Du so...?“, möchten sie oft sagen, und fühlen sich genötigt, dem Mitleid der Betrachter das eigene Glück betont entgegenzuhalten. Zudem sind sie und ihre Familien meist stark belastet durch die aufwändige Betreuung, den anstrengenden Alltag und die Krisen, die eine chronische Krankheit mit sich bringen kann.

In einer Fotostrecke zeige ich „nicht ganz heile“ Babys und Kinder in ihrer ganzen Schönheit und der Kraft ihrer Persönlichkeit. Die hellen, fröhlichen Situationen und die Farben, die sie sich selbst ausgesucht haben, bringen die kindliche Unbefangenheit, Spiellust und Freude ins Bild. Diese Kinder sind trotz aller Sorgen, Ängste oder Kämpfe mit dem Alltag und der Krankheit Kinder: sie können lachen, spielen und ihre Welt erkunden – auch wenn...!

Und sie sind auf unser aller Akzeptanz angewiesen, darauf, „normal“ behandelt und als die Person gesehen zu werden, die sie hinter ihrem Handycap sind – darauf, dass wir Krankheit gesellschaftlich integrieren lernen.