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Mitten im Prozeß – Leben im Wachkoma

STERN MAGAZIN

Etwa 200 bis 300 Menschen fallen in Deutschland täglich ins Koma, bei 50 % dauert das Koma etwa 3 bis 4 Wochen. Bis zu 12.000 Menschen leben bundesweit im jahrelang anhaltenden Wachkoma, dem sogenannten appallischen oder Durchgangssyndrom, in dem die Augen geöffnet sind, auf Reize reagieren und es einen Schlaf-Wach-Rhythmus gibt. Menschen in vegetativen Dauerzuständen werden schulmedizinisch als Kranke mit schwerem Hirnschaden oder als „cerebral Tote“ oder „vollständig Demente“ bezeichnet.

Die Zahl der Menschen im Wachkoma steigt in Deutschland jährlich an. Die Kliniken sind sichtlich überfordert, nur 40% der Patienten bekommt die im Gesetz verankerte Chance auf Rehabilitation. Die meisten werden mit Trachestomschnitt, Magensonde und Katheter zu lebenslangen Pflegefällen. Bei vielen wird frühzeitig Atemhilfe und Sondenernährung abgestellt und der Patient für die Transplantation freigegeben.

Die Bilder dieser Serie dokumentieren Augenblicke aus dem Alltag komatöser Menschen. An ihren Reaktionen, auch auf die Kamera, wird sichtbar, dass Koma kein passiver Zustand, sondern eine aktive, bis auf tiefste Bewusstseinserlebnisse zurückgenommene Lebenstätigkeit darstellt. Gehirn und Geist sind nicht dasselbe. Ein deutschlandweit einzigartiges Reha-Projekt im Bergischen Land (Patienten-im-Wachkoma-eV)) hat es sich zur Aufgabe gemacht, jeweils 4 Patienten zu betreuen, in intensiven Dialog mit ihnen zu treten und sie auf die häusliche Pflege durch Angehörige vorzubereiten.